WR: Rebellion – Kapitel 3, 1. Teil

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*guckt auf die Uhr* Oha, wieder kurz vor knapp, ist fast schon Mittwoch!
Deshalb heute ohne Bild, weil ich das nicht mehr geschafft habe. Wird aber nachgeholt 🙂

EDIT: Jetzt auch mit Bild, hurra! 😀

Wie sich außerdem herausgestellt hat, habe ich mit der Ankündigung, jede Woche ein Kapitel zu übersetzen und dann beide Fassungen zu posten, ein zu großes Stück abgebissen. (Wer hätte es gedacht *hust*) Deshalb habe ich mich entschlossen, die Kapitel in sinnvolle kleinere Abschnitte zu teilen. (Überhaupt, das liest sich dann auch augenfreundlicher am Bildschirm, glaub mir! o.O)

Falls du heute zum ersten Mal in den Blog schaust, fang am besten mit dem ersten Kapitel an. Ansonsten wünsche ich dir jetzt viel Spaß mit dem ersten Teil des 3. Kapitels 🙂

For the English version, please follow my Second Life blog Joey’s Café!


SF-Abenteuer 'Worlds Rising: Rebellion', Kapitel 3 Teil 1 - (c) 2019 JoeySL

Worlds Rising: Rebellion

Kapitel 3, 1. Teil

Die folgenden Tage brachten den Dorfbewohnern nichts als Arbeit. Die Regenzeit hatte eingesetzt, mehr als einen Umlauf zu früh, und es goss beinahe ununterbrochen. Die meisten Hütten mussten ausgebessert werden, die Dächer abgedichtet und bröckelnde Lehmwände verstärkt. Bei manchen brach der Untergrund weg, und das ganze Dorf musste mit anpacken, um sie zu sichern.

Mutter Marja brauchte eine neue Hütte, in der sie mit ihren Söhnen Raman und Ashok wieder zusammenleben konnte. Farid – nach Tarek der zweitälteste der Brüder – blieb verschollen. Deshalb hatten eigentlich alle damit gerechnet, der Rest der Familie würde jetzt ganz dicht zusammenrücken. Aber Tarek wollte nicht zurück und ausgerechnet Joram, der Zweitjüngste, bestand darauf, mit ihm in die Männergemeinschaft einzuziehen.

Joram hatte sich verändert, nicht nur äußerlich. Als Kind war er ein lustiger kleiner Wirbelwind gewesen, einen halben Kopf kleiner als Abbida und einige Viertelumläufe jünger. Damals hatte er nach den täglichen Pflichten nichts anderes im Sinn, als herumzutoben mit den anderen Kindsköpfen. Abbida hatte längst schon Veränderungen an ihrem Körper bemerkt, als er noch Steinchenklickern spielte. Erst mehr als ein Linear später fing Joram an, sich für Mädchen zu interessieren – sehr zu Abbidas Leidwesen. Von da an wich er ihr nämlich kaum noch von der Seite und glaubte tatsächlich, eines Tages würde sie auf seine albernen Anmachen eingehen.

Heute schien er das alles vergessen zu haben. Es war, als sei sie Luft für ihn. Nicht, dass er die Aufmerksamkeit der anderen Mädchen zur Kenntnis genommen oder sich irgendjemand sonst gegenüber geöffnet hätte. Grübelnd und in sich gekehrt ging er seinen Aufgaben nach, ließ sich dabei aber kaum je auf ein Gespräch ein. Die Leute hörten bald auf, ihm Fragen zu stellen oder ihm näherkommen zu wollen. Die Einzigen, die sich nicht vergraulen ließen, waren seine Brüder. Und die schwangere Ilka. Ausgerechnet.

Trotz ihres dicken Bauches hatte sie sich offenbar in den Kopf gesetzt, diesen neuerdings ungeheuer attraktiven Joram für sich zu beanspruchen. Unbeirrbar suchte sie seine Nähe, und nach einer Weile gewöhnte man sich daran, sie zusammen anzutreffen, immer dicht gefolgt von Abbidas Schwester Latisha.

Es war nicht gerecht. Cole hatte Abbida abgewiesen, obwohl er sie attraktiv fand, und Joram, der einst nichts lieber wollte, als seine Zunge in ihren Hals zu stecken, hatte sie vollkommen vergessen.

Eine Sache änderte sich jedoch zum Positiven, auch für Abbida: Die Zurückgekehrten brachten neue Fertigkeiten mit und Ideen für Maschinen, die Arbeiten wie Kleidung waschen, Körner mahlen oder auch das Anheben von Lasten erheblich erleichterten. Ashok behauptete, der Antrieb funktionierte nach einer uralten Methode, noch aus der Zeit vor dem sogenannten Rücksturz. Abbida wusste nicht viel über diese Zeit und manchmal glaubte sie, die Alten übertrieben da auch gerne ein bisschen. Tatsache war jedoch, dass bis heute viel von dieser Technik in Vergessenheit geraten war.

Im Wesentlichen ging es um die Nutzung von Wasserdampf. In Kesseln brachten sie Wasser zum Kochen, leiteten den Dampf durch Rohre zu verschiedensten Turbinen und trieben damit die Maschinen an. So ähnlich, wie sie es bisher mit fließendem Wasser gemacht hatten. Die Wasserräder waren jedoch wuchtig und konnten nur am Bach betrieben werden. Die Dampfmethode funktionierte dagegen auch in wesentlich kleineren Gehäusen und praktisch überall. Es war absolut faszinierend!

Und dann gab es noch eine Veränderung, die alles andere in den Schatten stellte. Die Abbidas Grundüberzeugungen so sehr erschütterte, dass sie begann, wirklich alles, das sie bisher sicher zu wissen glaubte, infrage zu stellen: Unter den Rückkehrern gab es einen stillen jungen Mann, Kyle. Er stammte nicht aus ihrem Dorf.

Kyle stammte aus einem anderen Dorf.

Diese Enthüllung hatte unter den Bewohnern eingeschlagen wie eine Bombe. Abbida hatte nicht gewusst, dass es überhaupt andere Dörfer gab! Obwohl sie sich im Nachhinein ziemlich dämlich vorkam, weil es vermutlich auf der Hand lag, dass ihr Dorf nicht das einzige sein konnte. Irgendwoher mussten die ersten Bewohner gekommen sein – und mit ihnen all die Geräte und Besitztümer, die keiner mehr herstellen konnte. Aber darüber redete man nicht. Es war eines ihrer strengsten Tabus, das wusste schon das jüngste Kind.

Kyle sprach nicht.

Ashok sagte, er habe vor langer Zeit aufgehört zu sprechen. Er sagte nicht, wieso.

Wo auch immer Kyle herkam, es gab keine Möglichkeit, ihn nach Hause zu bringen. Er selbst wusste nicht, wo seine Heimat lag, und es war unklar, warum die Eroberer ihn überhaupt zu den anderen gesteckt hatten. Vielleicht hatten sie ihn schlicht und einfach verwechselt. Oder sein Dorf ausgelöscht, und er war der Letzte.

Je mehr Abbida darüber nachdachte, umso mehr Fragen drängten sich auf, doch keiner der Zurückgekehrten sprach darüber, wo man sie die ganze Zeit festgehalten hatte oder wozu. Wer die Fremden waren. Oder wo sie herkamen. Abbida brannte auf Einzelheiten, aber sobald sie nachfragte, verschloss sich auch Ashok und mied ihre Nähe.

Die Rekrutierung war und blieb das größte aller Tabus, welche die Dorfgemeinschaft kannte. Seit beinahe vier Linearen war sie eine ständige Bedrohung. Zuerst holten sie die jungen Erwachsenen, später traf es auch die Halbwüchsigen, kurz nach dem Stimmbruch, wenn die Gliedmaßen kräftiger wurden und der Bartwuchs einsetzte. Im Grunde holte man sie gerade dann, wenn sie interessant zu werden begannen.

Tarek und Cole waren die Einzigen, die verschont blieben. Tarek, weil er zu alt zu sein schien für ihre Zwecke – welche das auch sein mochten. Cole hatte schlicht Glück. Gewissermaßen. Bei der ersten Rekrutierungswelle direkt nach der Invasion war er schwer verletzt gewesen: Ein Schuss aus einer der fremdartigen Waffen hatte seine Flanke aufgerissen. Beim Abtransport lag er fiebrig und ohne Bewusstsein auf einer Trage.

Abbida sah es noch vor sich, wie seine von Wehen gequälte Frau Inez um Coles Leben flehte. Niemand hatte erwartet, der Oberst würde ihn wirklich verschonen würde, doch nach längerer Debatte mit dem gleichen jungen Offizier, der auch schon Abbida und Inez bei der Jagdhütte beigestanden hatte, ließ er tatsächlich von Cole ab. Weder damals noch heute machte Abbida sich jedoch vor, dass der Oberst sich wirklich hatte erweichen lassen. Viel wahrscheinlich hatte er angenommen, Cole würde sowieso nicht überleben. Doch das tat er. Beim nächsten Überfall waren Inez und ihr Kind schon tot, aber Cole galt inzwischen als zu alt. Abbida bezweifelte, dass er sich glücklich wähnte.

Sie betrachtete Coles Profil, während er jetzt mit Ashok über einer Kohlezeichnung brütete, die sie vor sich auf der Werkbank ausgebreitet hatten. Die vergangenen beiden Viertelumläufe hatten alle drei vor allem in der Schmiede gearbeitet. Jetzt beugte er sich vor: »Hier, da müssten noch weitere Turbinen hin. Je mehr Dampf wir erzeugen, umso mehr Strom liefert die Anlage. Wir können das ganze Dorf ausleuchten.«

»Du denkst viel zu kurz, Cole! Strom für Licht ist ja gut und schön. Viel interessanter ist aber doch, dass man mit dieser Methode Bewegung erzeugen kann. Nicht nur für die Turbinen, sondern für Räder! Denk drüber nach, ich habe gesehen, wie Fuhrwerke ohne Zugtiere bewegt wurden.«

»Ohne Zugtiere?« Abbida beugte sich über die beiden und versuchte, Ashoks Handschrift zu entziffern. »Muss man dann aber nicht unterwegs ständig Wasser nachfüllen? Woher nimmt man das Brennmaterial? Wären die Fuhrwerke nicht viel zu groß?«

»Und zu schwer.« Cole nickte.

»Nein, nein, schaut doch, so!« Ashok fügte der Zeichnung mit sicherer Hand weitere Striche hinzu. »Der Dampf kühlt ab, tropft hier rein, wird zurückgeführt, und wieder neu erhitzt. Auf diese Weise geht kaum Wasser verloren. Natürlich hast du recht, Abbida, auf längeren Strecken müsste unterwegs Holz oder Kohle nachgeladen werden. Aber wann brauchen wir das hier schon?«

Er schaute auf, und vollkommen unangemessen schoss Abbida der Gedanke durch den Kopf, wie geheimnisvoll seine dunklen Augen unter den dichten Wimpern wirkten … Hastig richtete sie den Blick wieder auf die Bauskizze. Was, um alles in der Welt, war nur mit ihr los, dass sie überall nur noch attraktive Männer sah?!

Sie fühlte, wie sie rot anlief und wollte am liebsten im Boden versinken, wurde jedoch davon gerettet, dass die Tür von außen aufgerissen wurde und ein älterer Dorfbewohner, den Abbida als Ratsdiener kannte, den Kopf zur Tür hereinsteckte. Er winkte Ashok zu sich und redete eindringlich auf ihn ein. Ashok seufzte schwer, legte den Lederschurz ab und folgte dem Mann nach draußen. Vor der Tür wandte er sich um: »Der Rat will mich sprechen. Wartet nicht auf mich, ich fürchte, das wird eine Weile dauern.«

Cole und Abbida tauschten beunruhigte Blicke aus.

~ Fortsetzung folgt! ~


Vielen Dank fürs Lesen!

Die Teile 2 und 3 von Kapitel 3 gibt es in einer Woche hier oder — falls du möchtest — auf Englisch in Joeys Café. Damit du nichts verpasst, kannst du auch meinen Newsletter abonnieren. Neue Kapitel flattern dir dann per eMail direkt ins Haus, yay!

Lass dein Licht leuchten! <3

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