Worlds Rising: Rebellion – Kapitel 1

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Aaand … We’re back!

Weil es gerade passt, falle ich eben mal vor dir auf die Knie und bitte um Vergebung für meine … nicht Sünde, aber doch Schlamperei. Es tut mir leid!

o.O

Die vor etwa einem Jahr veröffentlichte ursprüngliche Fassung meines SF-Romans Worlds Rising: Rebellion war seinerzeit ein Schnellschuss. Soll man nicht machen. Meine einzige Verteidigung ist, dass ich dir damals möglichst schnell neues Lesefutter bieten wollte. Allein, das Buch war noch nicht ausgewachsen und wurde von mir aus dem Haus in die feindliche Welt gezwungen, obwohl es noch mitten in der Pubertät steckte. Ich Rabenmutter! Zum Glück ist mir das ziemlich schnell (nämlich innerhalb einer Woche) selbst aufgefallen, (offenbar aber nicht den Raubkopierern, die es in dieser einen Woche auf ihrer Buchklau-Seite hochgeladen haben) und das Buch durfte nach Hause zu Mutti. Da ist es noch schön gewachsen und hat ein neues Ende bekommen. (Dumm gelaufen für den Klau.)

Nachdem ich also den ersten Band in jeder denkbaren Hinsicht noch einmal überarbeitet sowie mit dem zweiten Band begonnen habe, sind rund 65 Seiten hinzugekommen, jede davon unerlässlich. Daran kannst du die Schwere meiner Schuld und den Grad an Peinlichkeit leicht ermessen. Aber als Autorin bin ich mir ja für keine Peinlichkeit zu schade, und so freue ich mich, verkünden zu können:

Die Rebellion geht weiter!

Und du als Blog-LeserIn bist nicht nur live dabei, sondern kannst sogar den ersten Band jetzt schon lesen: Woche für Woche ein neues Kapitel, bevor der Roman zum großen A geht. Band 2 der Reihe ist in Arbeit und folgt alsbald.

Also sag’s weiter! Hol deine Freunde! Party hard! Weeeee! \o/ 😀

Also, for the English version please follow my Second Life Blog Joeys Café !


Auf los geht’s los. Hier kommt das erste Kapitel:


Titelbild Worlds Rising: Rebellion - Kapitel 1, (c) 2019 JoeySL

Worlds Rising: Rebellion

Kapitel 1

Der Jüngste Tag

Es gab keine Vorwarnung. Nicht das kleinste Unbehagen hatte auf irgendetwas Ungewöhnliches hingedeutet. Später, viel später, würde Abbida sich oft fragen, ob sie irgendetwas hätte ändern können, wenn sie es gewusst hätte. Leben retten, vielleicht sogar das Dorf? Aber es hatte nicht das kleinste Anzeichen gegeben, und als der eben noch friedvolle Sommerhimmel jäh von Blitzen zerrissen wurde, war es für alle längst zu spät.

Die kleine Sammlergruppe, der Abbida angehörte, durchstreifte seit den Morgenstunden den Wald auf der Suche nach Beeren und Kräutern. Die Gespräche der Mädchen mischten sich mit den gewohnten Geräuschen des Waldes, unterbrochen nur von gelegentlichem, hellem Auflachen. Mit ihrer Schwester Latisha erntete sie gerade die duftenden, köstlichen Früchte eines besonders ergiebigen Strauchs von Waldbeeren, als ein leises, aber stetes Brummen in ihr Bewusstsein kroch. Irgendetwas daran war eigenartig, aber es dauerte einen Moment, bis ihr klar wurde, dass es von weit über ihnen kam.

Das Dröhnen wurde lauter und Abbida gab das Pflücken auf. Angestrengt blinzelte sie in den Himmel. Wo kam das nur her? Aber über ihnen gab es nichts zu sehen; eine weite, faserige Decke von Sommerwolken verdeckte die Sicht. Schlagartig verstummten die Geräusche des Waldes und über Abbidas Arme, Nacken und Rücken rieselte eine Gänsehaut. Als ob die Natur selbst sich vor einer unbekannten Gefahr duckte. Mehr und mehr Mädchen bemerkten die Veränderung, hielten in der Arbeit inne und wechselten unbehagliche Blicke.

Abbidas Beklommenheit wuchs. Eine dunkle Linie über dem Horizont erregte ihre Aufmerksamkeit. Eine Bewegung; etwas näherte sich mit ungeheurer Geschwindigkeit! Und dann, von einem Moment zum nächsten, ertrank sie in einem vielstimmigen Tosen. Schockwellen von Adrenalin jagten durch ihre Adern, Flucht- und Verteidigungsinstinkte kämpften um die Oberhand, stattdessen duckte sie sich wie gelähmt unter dem jähen, unnatürlichen Ansturm. Er fegte über Bäume, drückte sie nieder und wütete durchs Unterholz. Blitze gleißten auf, zischten und schossen zu Boden in rasendem Stakkato, gefolgt von krachenden Einschlägen. Genau über dem Dorf fielen zahllose dunkle Gebilde durch die Wolken und verschwanden hinter den Baumwipfeln.

Der Himmel brannte.

Abbida hatte ihren Korb fallen lassen. All die dicken, reifen Waldbeeren gerieten zwischen die Füße der verstört zusammendrängenden Mädchen und wurden zertrampelt. Die Hände auf die Ohren gepresst, starrte sie mit brennenden Augen nach oben. Sie spürte, wie jemand ihre Hände wegzog und sie anschrie: »Was ist das?!« Mit vor Schreck geweiteten Augen deutete ihre Schwester Latisha nach oben. Bei jeder Bewegung purzelten ihre straffen Zöpfchen aufgeregt durcheinander: »Was sind das für Monster?!«

Keine Monster. Abbida wusste genau, was sie da sahen, aber sie hätte nie für möglich gehalten … So etwas gab es gar nicht mehr! Niemand konnte so etwas noch bauen. Nicht, seit die letzte Ingenieurin alt und bettlägerig war. Und auch sie wäre mangels Material nicht dazu in der Lage gewesen. Und doch gab es keinen Zweifel: »Flugmaschinen!«

Nach und nach erstarb der Lärm, dafür drangen jetzt Rufe und Schreie zu ihnen durch. Der Wind trug Brandgeruch herüber und den Lärm von vielen, vielen trampelnden Stiefeln. Das Dorf wurde überrannt.

»Hier können wir nicht bleiben!«, rief Inez. Sie war die Älteste unter ihnen, bald selbst Mutter und daher Anführerin der Gruppe. Schützend legte sie einen Arm um ihren Babybauch, drehte um und zog eines der ganz jungen Mädchen mit nach hinten. »Na los, zur Jagdhütte!«

Die meisten folgten ihr. Abbida zögerte noch, hin und her gerissen zwischen Faszination und Entsetzen, aber Latisha packte sie am Ärmel und zerrte sie mit sich. Das verängstigte Schnattern der Mädchen verstummte. Sie drängten aneinander vorbei und rannten, so schnell sie konnten zurück in die Richtung, aus der sie gekommen waren. Dort gab es eine kleine Lichtung und eine Hütte mit Vorräten, Werkzeug und Material. Manches ließe sich vielleicht als Waffe verwenden, und alle trugen ein Messer. Allerdings würde ihre Ausrüstung gegen die Art von Waffen, die bei diesem Gegner zu erwarten waren, nicht viel helfen. Abbida biss die Zähne zusammen.

Im Jägerlager angekommen, zählte Inez die Mädchen durch und atmete hörbar auf, als keine fehlte. Sie schloss die Tür auf und winkte die Mädchen hinein: »Wir bleiben zusammen, niemand entfernt sich von der Gruppe, hört ihr? Und seid leise.«

Verstört gehorchten die Mädchen, doch Abbida zögerte. Zur Not bot die Hütte einer Jagdgruppe von sechs bis sieben Leuten Schutz, mit so vielen Mädchen war sie jedoch hoffnungslos überfüllt. Beim Anblick der aneinander gedrängten Mädchen überkam sie ein Anflug von Platzangst. Es gab nur einen Ausgang. Sie säßen wie die Mäuse in der Falle!

Nervös beobachtete sie den flackernden Himmel. »Wer weiß, ob man uns nicht schon längst entdeckt hat! Von da oben hat man einen viel besseren Überblick als am Boden.«

»Die Bäume stehen hier viel zu dicht. Komm endlich!«, zischte Inez.

»Aber was, wenn das Feuer bis hierher kommt?!«

Verängstigte Mienen schauten zu ihnen heraus. Abbida hörte Schniefen und unterdrücktes Schluchzen, ein Mädchen wischte sich verstohlen mit dem Ärmel über die Augen. Inez packte Abbidas Arm: »Na los jetzt! Je länger wir hier herumstehen …!«

Ein unheimliches Surren schnitt ihr das Wort ab. Bevor Abbida sich auch nur umdrehen konnte, schoss etwas an ihr vorbei und schlug in die Holzbohlen über der Tür ein. Ein kreisrundes Loch gleißte auf und verkohlte im gleichen Moment. Instinktiv warf sie sich zu Boden. Rings herum schien das Unterholz zu explodieren. Von allen Seiten stürmten Leute heran mit fremdartiger, gepanzerter Kleidung, Stiefeln, Helmen – und Waffen.

»Nicht schießen! Hier sind nur Kinder!«, schrie Inez und riss die Hände über den Kopf.

Eine Männerstimme übertönte sie mit einem Befehl, den Abbida nicht verstand. Die Fremden bauten sich im Halbkreis um die Hütte auf. Immer noch flach auf dem Bauch liegend, zog Abbida den Kopf ein und linste verstohlen nach oben. Plötzlich tauchte ein Paar schwere Stiefel und die Mündung einer riesigen Waffe direkt vor ihrem Gesicht auf und Abbida schrak zusammen. War es das? Würde sie gleich sterben?

Die Waffe wurde ihr grob zwischen die Rippen gepresst, und ihr entfuhr ein Schrei. Eine Frauenstimme herrschte sie an und Abbida blinzelte mit tränenden Augen nach oben. Eine gedrungene Kämpferin beugte sich drohend über sie, bohrte ihr den Lauf einer riesigen Waffe in den Rücken und funkelte sie durch ihren transparenten Gesichtsschutz aus schmalen Augen an. Sie machte eine ruckartige Kopfbewegung, und Abbida war nicht sicher, aber es schien so etwas zu bedeuten wie: »Los, aufstehen!«

Mit rasendem Herzklopfen hoffte sie inständig, nichts falsch verstanden zu haben, und rappelte sich hoch. Inez stand immer noch an derselben Stelle, beide Arme schützend um ihren Babybauch geschlungen, mit gleich zwei Gewehrläufen auf sie gerichtet. Abbida wollte zu ihr, aber ein weiterer barscher Ausruf brachte sie abrupt zum Stehen.

Ein Mann stampfte auf sie beide zu. Er war älter als die Kämpferin, und je drei Sterne prangten an seinen Schultern. War er der Anführer?

»Wie viele halten sich hier verborgen?«, blaffte er. Wie die Kämpferin betonte er die Worte fremdartig und hart. Seine Wortwahl wirkte altmodisch.

»Vierzehn mit mir«, krächzte Inez. Obwohl sie nicht zurückwich, war ihre Anspannung deutlich zu erkennen an der nervösen Art, mit der sie immer wieder über ihren Bauch strich. Hektische rote Flecken übersäten ihr Gesicht.

Der Anführer schnaubte vernehmlich und sagte irgendetwas zu einem weiteren bulligen Kämpfer. Für Abbida klang es wie ein Befehl zum Nachzählen. Nicht, dass die Worte ihr völlig unverständlich gewesen wären. Sie hörten sich aber an wie etwas, das man in alten Texten nachlesen konnte. Nicht wie die Sprache, die sie heute benutzten.

Der Bullige baute sich vor der Hüttentür auf und die Mädchen kreischten erschrocken. Inez wollte protestieren, schwankte und verzog das Gesicht wie unter Schmerzen. Sie keuchte, krümmte sich zusammen und kniff die Augen zu. Bevor Abbida richtig nachdenken konnte, war sie schon bei ihr und fasste nach ihrem Arm.

»Stehenbleiben! Sofort!«, brüllte der Anführer.

Abbida erstarrte und wagte kaum zu atmen. Ihr Herz schlug wie verrückt, als sie ihn mit langen Schritten auf sich zu stapfen hörte. Aus dem Augenwinkel sah sie ihn eine Waffe ziehen, dann krachte der Lauf gegen ihre Schläfe und sie zuckte zusammen. Die Mündung fühlte sich warm an, als wäre sie zuvor schon abgeschossen worden. Abbidas Magen verkrampfte sich. Mit dem Daumen betätigte er einen Hebel, und lautes Knacken dröhnte durch ihren Schädel.

»Was haben wir denn hier?«, schnarrte er. Sein Tonfall jagte ihr Gänsehaut über den Rücken. Er beäugte sie von oben nach unten, und bevor sie wusste, wie ihr geschah, kniff er sie in den Arm, hob die Finger zur Nase und schnüffelte daran!

Innerlich drehte Abbida beinahe durch, und nur diese verdammte Waffe an ihrer Stirn hinderte sie daran, wegzulaufen.

»Herr Oberst!«, mahnte eine tiefe Stimme.

Stirnrunzelnd schaute der Anführer auf. Aus dem Halbkreis der Kämpfer löste sich ein Mann. Großgewachsen und schmaler als der Anführer, wirkte er trotz des Kampfanzugs weniger vierschrötig. An den Schulterklappen trug er je einen einzelnen Stern. Während er sich näherte, glitt der Gesichtsschutz seines Helmes nach oben und enthüllte Züge, die jünger wirkten als die seines Anführers, vielleicht so alt wie Inez. Von seiner rechten Schläfe bis zum Ohr zog sich eine bunte Tätowierung: ein Fabeltier mit Schlangenkörper, gehörntem Kopf und scharfen Klauen.

Im Näherkommen beachtete er Abbida nicht, sondern ließ den Anführer nicht aus den mandelförmigen Augen: »Die Frau ist offenkundig unpässlich. Ich bin sicher, das Mädchen wollte ihr nur beistehen.«

Obwohl auch seine Aussprache für Abbidas Ohren ungewohnt hart klang, wirkte sein Tonfall weniger barsch. Mit der Waffe noch immer am Kopf fiepte sie zustimmend. Einige endlos lange Herzschläge lang rührte sich niemand. Dann knackte es zum zweiten Mal laut an ihrer Schläfe und der Anführer zog die Waffe fort. Jedoch nicht, ohne ihr dabei über dem Ohr eine Schramme zuzufügen. Ein kaum merkliches Zusammenziehen seiner Augen sagte ihr, dass es durchaus absichtlich geschah.

»Ihr Einwand ist zur Kenntnis genommen und protokolliert – Leutnant.«

»Herr Oberst«, bestätigte der Leutnant und riss in einer zackigen Bewegung die rechte Hand an den Helm.

Die Geste erinnerte Abbida an eine Szene, die sie als Kind beobachtet hatte. Bei der Einäscherung eines verstorbenen Dorfältesten hatte Ingenieurin Friederika als Einzige eine ähnliche Handbewegung vollführt. Zu gern hätte Abbida damals gefragt, was es bedeutete, aber die alte Frau war vor Trauer so erschüttert gewesen, dass sie sich nicht traute. Und danach hatte sie es vergessen.

Mit versteinerter Miene erwiderte der Oberst die Geste knapp. »Wegtreten.«

Der Leutnant machte auf dem Absatz kehrt und marschierte zurück zu seinem Platz im Halbkreis der Kämpfer. Ärgerlich in sich hineinschnaubend schaute der Oberst ihm nach. Dann bellte er weitere Befehle. Kurz darauf zog er sich zurück ins Unterholz und war verschwunden.

Abbida atmete auf. Zwar konnte sie sich nicht erklären, warum der Oberst auf einen jüngeren Kämpfer mit weniger Sternen gehört hatte, aber sie wollte ihr Glück nicht infrage stellen.

Offenbar waren die Fremden übereingekommen, Inez draußen im Blick zu behalten, während sich um Abbida niemand mehr kümmerte. Also setzten sie sich auf einen alten, gefallenen Baumstamm, rückten dicht zusammen und schwiegen. Wenigstens hatten sie von hier aus eine gute Sicht auf die Mädchen in der Hütte. Ohne die unmittelbare Bedrohung durch den Oberst ließ auch dort das Wimmern und Schniefen nach.

Abbida fühlte sich ausgelaugt. Hier hatte sie schon oft gesessen, wenn sie den Jägern bei ihren Vorbereitungen zur Hand gehen durfte. Sie sorgte sich, wie es den übrigen Dorfbewohnern ergangen war, und ihr Hals wurde eng. Verbissen unterdrückte sie die Tränen.

Wenigstens konnte sie Latisha von hier aus erkennen: Sie kauerte am entfernten Ende der Hütte. Das farbenfrohe Tuch, mit dem sie ihre vielen Zöpfchen zusammenhielt, wirkte in dieser Situation schmerzhaft fehl am Platz. In einer halb unbewussten Geste strich Abbida sich ihre eigenen krausen Locken hinters Ohr. Dort wo der Oberst sie mit seiner Pistole geritzt hatte, brannte die Haut noch immer.

Das Geräusch von schlurfenden Schritten über trockenem Gras ließ sie aufblicken, nur um die Frau, die sie vorhin schon drangsaliert hatte, erneut heranzotteln zu sehen. Auf dem mondförmigen Gesicht lag jetzt ein berechnender Ausdruck, und Abbida rutschte das Herz in die Tasche. Ehe sie sich’s versah, streckte die Frau die Hand aus und packte sie an den Haaren. Abbida entfuhr ein überraschter Aufschrei.

»Schnauze!« Verächtlich riss die Frau Abbidas Kopf in den Nacken, zog ihn erst zur einen Seite, dann zur anderen und musterte sie wie ein seltenes, besonders widerliches Insekt: »Was ist das überhaupt für eine Hautfarbe?«, zischte sie. »So was hab ich noch nie gesehen. Ist das grün? Bist du schimmelig, oder was?«

Wütend presste Abbida die Lippen aufeinander und kämpfte um Selbstbeherrschung. Neben ihr stöhnte Inez gepeinigt auf. Sofort verlagerte die Frau ihre Aufmerksamkeit und ließ endlich los.

Inez hielt ihren Bauch jetzt fest umschlungen; kalter Schweiß stand ihr auf der Stirn. Das Baby! Abbida warf schützend die Arme um sie, bereit, sich mit der Kämpferin anzulegen, aber eine barsche Stimme kam ihr zuvor: »Treten Sie zurück, Soldat!«

Mit energischen Schritten kam der Leutnant auf sie zu, sein Gesicht mit dem bedrohlich wirkenden Tattoo eine unlesbare Maske. Mit einem trotzigen Zug um die Augen richtete die Kämpferin sich auf.

»Niemand fasst die Einheimischen an. Wir bewachen sie, sonst nichts«, beschied er.

Einen winzigen Moment zögerte die Kämpferin. Dann, nach einem Blick über die Schulter in die Richtung, in die der Oberst verschwunden war, zuckte sie die Achseln und wollte sich abwenden: »Schon gut.«

Der Leutnant runzelte die Stirn und vertrat ihr den Weg.

Einige Herzschläge lang lieferte er sich ein stilles Blickgefecht mit der viel massigeren Kämpferin. Dann gab sie endlich klein bei. Sie schulterte ihre Waffe, drückte den Rücken durch und riss die Hand zum Gruß ans Visier: »Zu Befehl, Herr Leutnant!«

Mit eisiger Miene erwiderte er die Geste ebenso knapp wie zuvor schon sein Oberst. »Wegtreten.«

Die Kämpferin machte kehrt und zog sich ohne weiteren Widerstand zurück in den Halbkreis ihrer Kameraden. Erleichtert atmete Abbida auf. Trotzdem wusste sie nicht, wie sie sich verhalten sollte. Der Leutnant hatte sie ein zweites Mal beschützt, sollte sie ihm dafür danken? Sollte sie das überhaupt in Erwägung ziehen? Er war ebenso ihr Feind wie die anderen Kämpfer. Womöglich hatte er auf einen ihrer Freunde geschossen, sogar jemanden getötet!

Bevor sie sich zu irgendeinem Entschluss durchrang, wandte er sich ab.

Immerhin konnte sie sich nun endlich um Inez kümmern. Glücklicherweise schien sie sich ein bisschen zu erholen, und wenig später wurden auch die anderen Mädchen aus der Hütte gescheucht. Unter vorgehaltener Waffe wurden sie alle wie eine Herde Ziegen zusammengedrängt und anschließend zum Dorf geführt.

Keine von ihnen sollte diesen Tag je vergessen. Zum ersten Mal hatten die Eroberer mit ihren Flugmaschinen den Himmel verdunkelt und dem Dorf einen Schlag versetzt, von dem es sich nie wirklich erholen sollte. Damals wussten sie es noch nicht, aber es war auch der Tag, an dem einige der Männer fortgeschafft wurden, um nie zurückkehren.

~ Fortsetzung folgt (immer dienstags) ~


Vielen Dank fürs Lesen!

Kapitel 2 von Worlds Rising: Rebellion gibt es in einer Woche hier oder — falls du möchtest — auf Englisch in Joeys Café. Damit du nichts verpasst, kannst du auch meinen Newsletter abonnieren. Neue Kapitel flattern dir dann per eMail direkt ins Haus, yay!

Rise on up! <3

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