Um jede Zeile kämpfen

image: writer's struggle

Achtung Triggerwarnung: Dieser Post startet zumindest als totaler Schreibfrust-Post! Aber genau weil ich gerade so angeknabbert bin, beginne ich jetzt und hier ein Experiment: Ich schreibe mir den Frust von der Seele, analysiere (kurz) die Problemlage, beiße dann ganz professionell die Zähne zusammen und tu’s einfach. Also schreiben. Im Manuskript, nicht hier. Das heißt, nachher hier dann auch wieder, wenn ich dir davon berichte, ob und wie es gelaufen ist.

[lead fontfamily=“default“ fontsize=“100″]Es ist Sonntag, die Sonne scheint bei minus vier Grad Celsius, und ich hab sonst keine Verpflichtungen. Perfekte Voraussetzungen für einen Schreibtag! Also Schreibprogramm starten, Datei auf, los geht’s … nicht.[/lead] Die Überschrift sagt’s schon: So einfach ist das zur Zeit gar nicht. Woran das liegt, fragst du vielleicht. Ich frage mich das jedenfalls seit einer ganzen Weile, heute passiert das nämlich nicht zum ersten Mal. Aber immerhin habe ich inzwischen einen Verdacht: Mir fehlt die Leichtigkeit. Mein aktuelles Projekt befindet sich ja nicht in der Erstschreibphase, sondern in der umpfzigsten Überarbeitung. Und so ganz allmählich hasse ich das Manuskript, die Welt und mich selbst, in beliebiger Reihenfolge, je nach Tageszeit. Ich will einfach endlich fertig werden damit!

Und das ist allmählich auch dringend nötig. Mich beschleicht nämlich der Verdacht, dass ich beginne, die Dinge zu verschlimmbessern. Klar, jedes Manuskript könnte grundsätzlich in jeder Phase seiner Entstehung beliebig verfeinert werden. Aber irgendwann stößt jeder Autor zwangsläufig an den Punkt, an dem er oder sie zu diesem Zeitpunkt mit seinem Können am Ende ist. Ab jetzt kannst du eigentlich alles nur schlimmer machen. Und das liegt an der Dualität der Figur „SchriftstellerIn“ an sich: Zum einen bist du Autorin, zum anderen deine eigene Lektorin. Die Autorin schreibt, frei von der Leber weg, voll Lust und Spaß einfach drauflos, beflügelt von der Muse, dem Unterbewusstsein oder was auch immer. Hat sie einen Lauf, dann fließen da Dinge aufs virtuelle Papier, da träumst du nur von!

Die innere Lektorin aber hebt streng den Zeigefinger und sagt: Moooment, Frollein, so geht das mal gar nicht!

Und da stehst du dann da, nickst unglücklich mit dem Kopf und flüsterst: „Du hast ja recht.“ Und sie hat ja auch recht. Denn sie ist du und weiß genau, dass du nicht zufrieden bist mit dem Manuskript. Dass da was unrund läuft, dass da was ganz und gar nicht über die Zunge will. Dass du da dringend was dran ändern musst, bevor du andere damit belästigen kannst.

Soweit zum Frust-Teil. Konfuzius sagt: Hol dir erst mal nen Kaffee, dann geht’s schon. Falls er das nicht gesagt hat, sollte er.

Denn hier folgt der zweite Schritt des heutigen Experiments:

… die Analyse. Woran liegt’s denn jetzt genau? Während ich gerade bei Instagram an einer Autoren-Challenge teilnehme (Ja, da bin ich jetzt auch, aber das ist eine andere Geschichte*), fällt mir nämlich auf, welchen Spaß ich dabei habe, einfach frei von der Leber weg zu fabulieren, während mir bei der Beantwortung der Challenge-Fragen gleichzeitig mit erschreckender Konsequenz auffällt, wie wenig veröffentlichungsreif das Manuskript noch ist. Immer noch ist! Jasackelzementzefixnocheinsdammit!

Da, jetzt fühle ich mich wie gelähmt. Und zwar — Achtung, jetzt kommt’s! — weil ich inzwischen über so viel Schreibwissen und Schreibhandwerk verfüge, dass mir einerseits die Leichtigkeit flöten geht, während mir andererseits genau dieser Mangel schmerzhaft bewusst ist. Klassischer Fall von technischem K.o.!

Zum Glück — jedenfalls sehe ich das so, nachdem ich ein paar mal hyperventilierend im Kreis gerannt bin — zum Glück, also, rettet mich auch die Erfahrung davor, den ganzen Kram einfach zu packen und in die Tonne zu kloppen. Stattdessen werde ich jetzt die Hinterbacken zusammenkneifen und mein Wissen anwenden, wie es sich gehört. Ganz konkret: Ich habe einen Dialog. Der ist vollgestopft mit entsetzlich drögem Infodump. Und daraus schreibe ich jetzt was, das dann gefälligst beim Lesen Spaß machen soll!

Also, stay tuned! Ich lass dich wissen, wie es gelaufen ist.

3 Stunden später:

Die gute Nachricht ist, es ist etwas dabei herausgekommen. Und es gefällt mir tatsächlich besser als der Mist, den ich an der Stelle vorher verzapft hatte. Die schlechte ist, ich bin immer noch nicht begeistert. Aber ich fürchte, da braucht es jetzt wirklich noch ein paar Wochen Weglegen.

Ganz ehrlich? Ich fühle mich bei diesem Projekt so sehr an meinen Erstling erinnert, es ist lachhaft. Seinerzeit habe ich mir genauso jahrelang die Zähne an dem Manuskript ausgebissen. Und seinerzeit hat es einen sehr drastischen, radikalen Eingriff in die gesamte Struktur gebraucht, bis der Roman so war, wie ich ihn heute noch liebe. Blöd nur, dass ich dachte, diesen Radikalschnitt hätte ich beim jetzigen Projekt schon vollzogen.

Vielleicht liegt es jetzt aber auch nur noch an Kleinigkeiten. An vielen, kleinen Nörgelstellen, die sich summieren, die aber mit noch ein bisschen mehr Geduld (Ha!) auch zu beheben sind. Die Hoffnung … holt sich erst mal ’nen zweiten Kaffee. (Heißt doch so, oder?) Aufgeben gilt jedenfalls nicht. Und wenn mich mal wieder der Frust packt, dann schreib ich zwischendurch einfach ein paar kleine Szenen — so just for fun — oder mache Bilder und schiebe ein paar Pixel von links nach rechts. Alles ist erlaubt, was den Spaß zurückbringt!

Apropos Spaß

Nicht vorenthalten möchte ich dir an dieser Stelle übrigens, dass ich im Zuge dieser inneren Entwicklung auch als Bloggerin einen Schritt zurückgegangen bin. Einen, der mir persönlich gut tut, der aber vielleicht nicht jedermanns cup of tea ist: Jegliches SEO-Gedöns bleibt in diesem meinem virtuellen Zuhause ab jetzt wieder außen vor. Ich bin Schriftstellerin, keine PR- oder Marketingfrau. Wer meinen Blog auf welchem Weg auch immer findet, darf ihn behalten ist herzlich eingeladen, mitzulesen. Wer ihn weiterempfiehlt, dem gehört meine ewige Verbundenheit! Alle anderen haben bitte trotzdem einen fantastischen Tag. Die Welt ist groß und bunt, und für alle Geschmäcker ist gesorgt ❤

Hang loose!

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