Sonntags am Schreibtisch

Ich weiß auch nicht. Fiel mir gerade so ein, der Titel. Ich sitze hier so und denke, wäre doch mal ganz nett, die vergangene Woche Revue passieren zu lassen, und da brauche ich natürlich eine passende Überschrift. So was wie Macro-Monday, Throwback-Thursday, Fischers-Fritz-Friday … und da fiel mir wieder dieses Theaterstück ein, in dem ich mal die Frieda geben durfte: Sonntags am Meer von Philippe Adrien. Lang ist’s her …

Dieses Stück hat mir seinerzeit einiges abverlangt, so rein textlich gesehen. Gleich zu Anfang jammert Mutter Frieda einen Monolog vom Stapel, der um sich selbst kreist, sich immer wieder selbst repliziert wie die Borg, mit immer gleichen Aussagen in immer neu gewürfelten Satz- und Wortkombinationen und dabei einfach nicht vom Fleck kommt. Lasst mich lieber ein Telefonbuch auswendig lernen! (Trotzdem hat das damals Spaß gemacht, wegen der tollen Truppe und der Superstimmung während der gesamten Saison <3)

Was das jetzt mit meinem Schreibtisch zu tun hat? Eigentlich nur, dass ich mir beim Schreiben bisweilen genauso vorkomme: Ich reihe Wörter an Wörter, verbinde sie zu Sätzen und Absätzen und tippe und streiche und am Ende des Tages habe ich manchmal das Gefühl … ‚Bäh. Hab ich mal wieder meinen inneren Philippe Monologe schwingen lassen.‘

Worldbuilding ist das Zauberwort

… oder vielleicht der Fluch. Mit Worldbuilding geht das Characterbuilding einher und beide neigen dazu, sich zu verselbständigen, wenn man sie lässt. Und sind sie erst mal losgelassen, dann kann ich mich da so rein steigern, dass es schwer ist wieder aufzuhören. Und so habe ich diese Woche eine neue Szene geschrieben, die mich zwar restlos begeistert, weil ich ganz neue Ideen bekommen habe, wie alles (und alle) noch viel mehr als bisher zusammenhängt, weil sich da ganz neue Abgründe auftun und ganz neue Konflikte. Da folgt Bild auf Bild, und Höcksgen auf Stöcksgen, und eine Assoziation jagt die nächste … Es war ein Fest! Es ist eine Katastrophe.

Denn das soll ja nicht nur mir Spaß machen, sondern vor allem auch dir! Und da ist weniger dann doch meistens mehr. Seitenlanges Schwadronieren liest sich selten unterhaltsam oder gar spannend. Also weniger Innenschau, mehr Action. Weniger Dialog, mehr Szene … Frau Autorin!

Du siehst mich seufzen.

Aber hat ja keiner gesagt, dass Schreiben leicht wäre. Und weil mir dieser Satz mehr als einmal durch den Kopf gegangen ist in der vergangenen Woche, hab ich in meinem Bücherregal gesucht und mal wieder einen meiner Schätze hervorgeholt: Frauen, die schreiben, leben gefährlich, von Stefan Bollmann.

Abbildung Buch: Frauen, die schreiben, leben gefährlich - von Stefan Bollmann
Stefan Bollman: Frauen, die schreiben, leben gefährlich

Gefährlich, wieso gefährlich? Also, abgesehen mal von der ganz normalen (Anm:: Ironie!) Verfolgung, der Schriftsteller überall auf dem Globus ausgesetzt sind. Gefährlich auch, weil Schriftstellerinnen im Besonderen zu allen Zeiten mit Problemen kämpften und kämpfen, die männlichen Schriftstellern völlig fremd sind.

Ray Bradbury berichtete irgendwo, ich glaube in seinem Buch Zen in der Kunst des Schreibens, davon, wie er jeden Morgen nach dem Aufwachen von 1.000 Wörtern angesprungen wurde, die er sich erst einmal sofort von der Seele schreiben musste. Oder so ähnlich.

Das hört sich schon mal richtig professionell an! Da vergisst man leicht, dass er das auch konnte. Weil wahrscheinlich jemand anderes in dieser Zeit dafür sorgte, dass Frühstück auf dem Tisch stand, seine vier Töchter gestriegelt und pünktlich zu Schule geschickt wurden und dergleichen mehr. Wenn mich morgens 1000 Wörter anspringen, dann duck ich mich weg und hoffe, sie sind noch da, wenn ich später Zeit dafür finde.

Und wenn nicht? Wenn ich die Zeit nicht finde? Dann macht mich das verrückt. Oder falls doch, wenn aber andere meine Worte nachher nicht finden, weil ich es nicht schaffe, sie auch noch ordentlich ins Rampenlicht zu setzen? Dann macht mich das auch verrückt! Und das ging und geht auch ganz anderen Kalibern so. Die Selbstmordrate bei großen Frauen der Literatur ist erschreckend hoch.

Nicht von ungefähr kommt der Trend, sich ein männliches Pseudonym zu geben, um so hoffentlich mehr Aufmerksamkeit zu erhalten — und ernst genommen zu werden 😉 Und dass man bei solchen Zuständen manchmal zum Strick … Aber wir sind ja heutzutage aufgeklärt und emanzipiert, und da passiert uns das nicht, klar?!

Zumindest in Gedanken leben wir ja trotzdem alle gerne ein bisschen gefährlich. Deshalb schreckt uns solches Vorwissen auch nicht ab. (Ist ein bisschen so, wie mit den ekligen Bildern auf Tabakwaren. Abschrecken können die niemanden wirklich. Nur mir als Nichtraucherin wird an der Supermarktkasse davon immer schlecht. Aber das ist ein anderes Thema.)

Ran an die Tastatur!

Werde Schriftstellerin, haben sie gesagt. Schreiben macht Spaß, haben sie gesagt. Du wirst reich und berühmt und kannst dich vor Auszeichnungen nicht retten, haben sie gesagt. Äh, nicht. Hast du jetzt nicht wirklich geglaubt, das wäre ernstgemeint, oder? In Wirklichkeit wird Schreiben nach den ersten 30-40 Seiten anstrengend und dann musst du da einfach durch.

So ging mir das jedenfalls in der letzten Woche meistens. Trotzdem habe ich, wie gesagt, im Lauf der Woche das eine oder andere Kilobyte an neuem Text geschrieben. Nicht so viel, wie ich gerne hätte. Und ob es irgendwie verwendbar ist, muss sich auch erst noch rausstellen. Aber getippt ist getippt! Gebloggt habe ich auch nichts (also, bis auf jetzt gerade, ne?), und das obwohl ich das neue, wieder reduzierte Outfit hier im Blog gerade so schön anspornend finde.

Tatsache ist, die meisten von mir in der letzten Zeit getippten Wörter haben so gar nichts mit meinen Geschichten zu tun. Dafür habe ich dabei (also beim Tippen) viel gelernt über so gänzlich unterschiedliche Themen wie regenerative Energiegewinnung, die Lebenssituation von Geflüchteten und cloudbasierte Anwendungen. Ansonsten war ich Instagram-mäßig oder gar Flickr-mäßig stinkfaul in den vergangenen sieben Tagen. Macht nix, das wird auch wieder besser! Dafür ist mein ChickLit-Krimi Café Morte inzwischen vollständig bei Wattpad zu lesen. Für lau. Mit Bilders. Das ist ja auch was 😉

Roman: Café Morte, Chick Lit, Krimi, Humor, Romance
Chick Lit, Krimi, Humor, Liebe

Helau! 😀

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